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Mein Geheimrezept gegen den Alltagsstress

Atemlos im Wienerwald? Seien Sie mal ehrlich: wann haben Sie das letzte Mal richtig durchgeatmet?

Gerade am Ende des letzten Schuljahres habe ich wieder viele Menschen im Dauerstress erlebt und wie sie im wahrsten Sinne des Wortes den Dingen hinterhergehechelt sind und ihnen kaum Luft zum Atmen blieb. Als Stimmtrainerin in Purkersdorf erlebe ich fast jeden Tag ein Phänomen: Wir leben hier im wunderschönen Wienerwald, umgeben von herrlichen Bäumen und frischer Luft – aber vor lauter Terminen und Erledigungen gibt es keine Zeit für’s Durchatmen und zur Ruhe kommen. Der Atem und letztendlich wir selbst bleiben auf der Strecke. Ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit und die Entdeckung unseres eingebauten Stresskillers.

Stress – und der Atem reagiert sofort

Manchmal frage ich Menschen, was sie glauben, was ich beruflich mache, und die Antwort ist fast immer dieselbe: „Du bringst Leuten bei, lauter und deutlicher zu sprechen“ oder „Du trainierst SchauspielerInnen“ oder „Du hilfst anderen bei der Vorbereitung ihrer Reden oder Vorträge“. Das stimmt schon alles, aber darüber hinaus dient meine Arbeit jedem Menschen im Alltag, denn die wichtigste Grundlage ist die Atem- und Körperarbeit. Dadurch entsteht nicht nur eine klangvolle, ausdrucksstarke Stimme, sondern sie ist ein hocheffektives Mittel zur Stressbewältigung, denn wenn der Stress anklopft, reagiert unser Körper wie in der Steinzeit: er bereitet sich auf Flucht vor. Die Atmung wird flach, die Schultern gehen hoch, die Stimme wird eng und gepresst oder kraftlos. Und dann klingen wir so, wie wir uns fühlen – gestresst und blockiert.

Die Lösung ist also mehr Entspannung! Aber wie sollen wir das in unserem Alltag auch noch unterbringen? Wir tragen die Lösung die ganze Zeit mit uns herum und müssen nur wieder lernen, sie in unseren Alltag einzubauen. Stimmarbeit ist weit mehr als nur Sprechtraining für Redner. Stimmarbeit bedeutet Lebensqualität. Dem Atem Raum geben, ihn bewusst erleben ist schon ein Anfang und unserem Nervensystem wird signalisiert, dass die Gefahr vorbei ist. Der Puls wird gesenkt, unsere Muskulatur gelockert und nun heißt es „Entspannung erlaubt“.

Wenn wir uns klar machen, dass unsere Stimme – und jede ist einzigartig und wunderbar – der Spiegel unserer Seele und unseres Körpers ist, und wir Körper, Atem und Stimme miteinander in Einklang bringen, gehen wir gestärkt und selbstbewusst durch unseren Alltag und im besten Fall kommt die Gelassenheit dann auch noch dazu. Waldspaziergänge unterstützen außerdem und im Wald atmen hat zumindest für mich eine Qualität, die mich erdet und frei werden lässt. Klingt vielleicht esoterisch, ist aber im Grunde etwas sehr Banales und liegt vor unserer Haustür – wir müssen uns nur die Zeit dafür nehmen.

 Bevor der Start ins neue Schuljahr wieder mit Stress und Hektik beginnt, halten wir kurz inne. Denn die Kunst, im größten Trubel die eigene Mitte und die eigene Stimme nicht zu verlieren, beginnt genau jetzt – mit einem einzigen, bewussten Atemzug.